Grußwort der LandesschülerInnenvertretung NRW
Grußwort der LandesschülerInnenvertretung NRW für die Gedenkveranstaltung „Blumen für Stukenbrock“
Hallo liebe Antimilitaristen und Antimilitaristinnen, liebe Antifaschisten und Antifaschistinnen, liebe Friedensfreunde.
Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!
Diesen Ausruf hören wir oft und finden ihn auch richtig und wichtig, doch was steht dahinter? Was muss unsere konkrete Aufgabe sein, um Faschismus und Krieg in der Welt zu verhindern? Und ist es dafür am Ende nicht schon zu spät? Würde nicht die Aussage „nie wieder Krieg“ implizieren, dass es momentan keinen gäbe? Viele linke Organisationen, Friedensbewegungen und Antifaschistinnen und Antifaschisten setzen sich mit diesen Themen und Fragen auseinander und kommen zu den unterschiedlichsten Antworten.
Auch die LandesschülerInnenvertretung NRWs hat sich mit diesem Thema auseinandergesetzt und überlegt: Was kann eigentlich unsere konkrete Arbeit sein, um einem zweiten Faschismus in Deutschland vorzubeugen? Ist es die Aufklärung der SchülerInnen was und WARUM alles damals passiert ist? Mit Sicherheit. Ist es der gemeinsame Kampf gegen Faschisten auf der Straße? Auch das ist eine Erfahrung, die Jugendliche zu Antifaschisten und Antifaschistinnen erzieht.
Aber wir kamen zum Schluss, dass unsere wichtigste Aufgabe wohl unsere Arbeit als Interessensvertretung der SchülerInnen in NRW ist. Interessensvertretung, ob in der Gewerkschaft oder in der SV, ist etwas von Grund auf Antifaschistisches, solange wir auch im Interesse der lernenden Jugend handeln und nicht im Interesse der Menschen, deren Interessen konträr zum Interesse der breiten Bevölkerung stehen.
Ist die Interessenvertretung der Arbeitenden und Lernenden stark, so hat der Faschismus, der eben genau die entgegengesetzten Interessen vertritt, keine Chance.
Interessensvertretung in ihrem eigentlichem Sinne (also nicht der Lobbyismus) ist etwas von Grund auf linkes, wie könnte es auch anders sein. Wie sollte eine FDP denn die Interessen der Arbeiter vertreten, wenn ihr Anspruch es ist, alles zum Gefallen der Arbeitgeber zu gestalten? Oder wie sollte die Schülerunion die Forderung „Kostenlose Bildung“ postulieren ohne gleichzeitig ihre Grundsätze als Unternehmer freundlich zu verletzen?
Interessenvertretung der breiten Bevölkerung funktioniert nur entgegen dem Profitinteresse.
Die konservativen oder reaktionären Kräfte unseres Landes sind weder in der Situation uns zu brauchen, geschweige denn uns zu wollen. So wie die FDP schon mehrmals versucht hat die LSV NRW abzuschaffen, so versucht die Jugend der CDU uns den Sinn zu nehmen, indem sie fordern „SV macht man nicht mit links“.
Wollen wir also nie wieder Faschismus, so ist es unsere Aufgabe, starke Interessensvertretungsarbeit für die arbeitende und lernende Bevölkerung zu machen, ob in der Schule, der Uni oder im Betrieb. Wir sind der stärkste Widerstand, nicht umsonst wurden alle Gewerkschaften im Hitlerfaschismus verboten.
Nie wieder Faschismus scheint auch eigentlich allen Menschen einleuchtend, aber nie wieder Krieg? Gehört das einfach dazu? Nein! Denn Faschismus und Krieg sind auch nicht allzu weit voneinander entfernt. Ein Faschismus ohne Krieg ist nicht denkbar. Und Krieg ohne eine fatal schief gewickelte Interessenslage einer Regierung auch nicht. Die meisten von deutschem Boden aus verursachten Kriege lassen sich ökonomisch begründen, und ja sie finden statt. Für „nie wieder Krieg“ ist es zu spät, es müsste heißen „stoppt die Kriege!“. Und auch an dieser Stelle ist es lohnenswert zu schauen „In wessen Interesse ist dieser Krieg?“. Bekommen wir mehr Arbeitsplätze, höhere Löhne, bessere Lern- und Lebensbedingungen durch den Krieg? Auf diese Frage gilt es mit einem entschiedenen NEIN zu beantworten. Es ist sogar das umgekehrte Phänomen: Durch den Krieg werden unsere Interessen mehr und mehr in den Hintergrund gelenkt, es gibt weniger Geld für Schulen oder Arbeits- und Ausbildungsplätze. Diese Kriege sind nicht in unserem Interesse und werden es auch nie sein. Und nur indem wir uns für unsere Interessen einsetzen und so auch zwangsläufig gegen Kriege jeglicher Art stark machen, können wir vielleicht eines Tages mit voller Überzeugung sagen: „Nie wieder Krieg!“
Die LandesschülerInnenvertretung bedankt sich herzlich hier und heute sprechen zu dürfen auf dem Gedenkfriedhof in Stukenbrock.
Abschließend rufen wir alle Menschen dazu auf, sich in der Gewerkschaft oder der SV für Ihre Interessen stark zu machen und gegen die Interessen des Kapitals zu kämpfen, um das Ziel:
„Nie wieder Faschismus, Nie wieder Krieg!“
erreichen zu können!
Danke.