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Westfalenblatt 2.2.2001
Geld aus Löhne an frühere Kriegsgefangene
Paderbornerin spendet spontan
25 000 Mark an Stalag-Überlebende Löhne (tt). 20 000 Mark hat die Stadt Löhne am Mittwochabend dem Arbeitskreis »Blumen für Stukenbrock« übergeben. Der Arbeitskreis wird damit ehemalige sowjetische Kriegsgefangene des Lagers Stalag 326 in Stukenbrock unterstützen, die heute in den Nachfolgestaaten der UdSSR leben. Das Geld stammt aus dem Landesförderprogramm »Kommunen gegen Rechtsextremismus«, aus dem jeder NRW-Kommune eine Mark pro Einwohner zugewiesen wird. Zeitgleich mit der symbolischen Scheckübergabe im Löhner Rathaus fand in der deutschen Botschaft in Moskau die Übergabe des Betrages statt. Eine Rentnerin aus Paderborn spendete zusätzlich 5000 Mark.
42000 Mark hatte Löhne aus dem im vergangenen Jahr aufgelegten Landesförderprogramm »Kommunen gegen Rechtsextremismus« erhalten, 10 000 Mark davon sollten dem Arbeitskreis »Blumen für Stukenbrock« zufließen. So lautete der einstimmige Beschluss des Rates im vergangenen Dezember. Auf Antrag der CDU wurde die Summe um 10 000 Mark erhöht. »Der Entschluss der Stadt Löhne ist eine Pioniertat«, sagte Werner Höner, Vorsitzender des Arbeitskreises, zu den Vertretern von Rat und Verwaltung, Kirche und Verbänden, die sich anlässlich der Scheckübergabe Mittwoch abend im Rathaus versammelt hatten. Das Geld war bereits im Dezember dem Mitarbeiter der russischen Botschaft in Deutschland, Anatol Popow, von der Stadt Löhne in Bergisch-Gladbach überreicht worden.
Dieses Geld wurde nun parallel zu der symbolischen Löhner Scheckübergabe in der deutschen Botschaft in Moskau an die Überlebenden des Stalag-Lagers übergeben. Popow, der das Geld treuhänderisch verwaltet, sorgt dafür, dass es ohne Reibungsverluste an ehemalige Gefangene des Stuckenbrocker Stalag-Lagers ausgezahlt wird. 180 frühere Stalag-Insassen leben noch, verstreut in den Nachfolgestaaten der UdSSR. Vier von ihnen waren gestern bei der Übergabe in der deutschen Botschaft dabei.
Der Gesandte der Bundesrepublik Deutschland in Russland, Christof Brummer, würdigte in Moskau die herausragende Leistung Löhnes und auch des Arbeitskreises »Blumen für Stukenbrock«, der jährlich am l. September rund 5000 Mark an frühere Stalag-Gefangene überweist. Das berichtete Popow Werner Höner in einem Telefongespräch gestern aus Moskau. Popow sagte weiter, an der Aktion Löhnes habe die internationale Presse Interesse gezeigt; neben der großen Nachrichtenagentur Itar-Tass sei von deutscher Seite unter anderem ein Vertreter der Wochenzeitung »Die Zeit« bei der Übergabe des Geldes in der deutschen Botschaft zugegen gewesen.
Besondere Erwähnung im Löhner Rathaus fand am Mittwoch der Spontan-Entschluss einer Rentnerin aus Paderborn, die von der Auszahlung der 20 000 Mark an die Vertreter der Stalag-Überlebenden in Moskau gehört hatte. Die Frau, die ihren Namen nicht preisgeben möchte, legte auf die Summe 5000 Mark aus ihrem Vermögen drauf. Wie zu erfahren war, lebt die Frau in einem Paderbomer Altenheim und möchte ihre beträchtliche Rente in guten Händen wissen.
Rund 100 Mark Rente bekämen die ehemaligen Gefangenen, für die es keine Entschädigungsfonds, etwa wie für Zwangsarbeiter, gebe, und die auch von ihrem Heimatland kaum etwas an materieller Zuwendung zu erwarten hätten, sagte Höner. Als ein »großartiges Geschenk« bezeichnete Pastor Jochen Schwabedissen vom Arbeitskreis »Blumen für Stukenbrock« die Summe für »die Menschen, die kaum etwas haben«.
Sein Kompliment galt vor allem den im Rat vertretenen Parteien, die ohne Streit sofort überein gekommen seien, das Geld für die Stalag-Überlebenden zu verwenden: »Sie haben sich an Großzügigkeit übertroffen«, sagte Schwabedissen, der der Geldspende Signalwirkung für andere Städte und Gemeinden in NRW zuschreibt.
Dem Arbeitskreis »Blumen für Stukenbrock« sind derzeit 180 Überlebende des Stalag 326 bekannt, denen das Geld zugute kommt. Wegen der komplizierten Überweisungswege könne es mehrere Wochen dauern, bis die Empfänger das Geld bekämen, sagte Höner.
Den Verwendungszweck der weiteren 22 000 Mark aus Landesmitteln gab Bürgermeister Werner Hamel wie folgt bekannt: Eine Studienfahrt des Gymnasiums in das Vernichtungslager Auschwitz wird mit 3000 Mark unterstützt. 6000 Mark sind für weitere Fahrten dieser Art geplant. Mit 5000 Mark wird eine Veranstaltung im Jugendzentrum »Riff« - Hip Hop gegen Rechts - unterstützt, das restliche Geld wird für später verwahrt.
»Löhne ist ein Vorbild an humanitärer Großzügigkeit.«
Jochen Schwabedissen. Arbeitskreis »Blumen für Stukenbrock"
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