Grußwort der LandesschülerInnenvertretung (LSV) NRW

gesprochen von Katharina Niebergall am 1. September 2012

Sehr geehrte Damen und Herren,

für uns als Vorstand der LandesschülerInnenvertretung Nordrhein-Westfalen ist es eine besondere Ehre, hier dieses Grußwort auf dem Gedenkfriedhof Stukenbrock halten zu dürfen. In diesem Zusammenhang möchten wir nochmal unser große Traurigkeit, aber auch unsere Wut gegenüber der Zeit von 1939-1945 ausdrücken. Auf diesem Friedhof ist deutlich das Schicksal dieser Jahre zu sehen, und bei uns als SchülerInnen bricht einfach nur Fassungslosigkeit aus, wenn wir sehen, wie viele Menschen wegen einer politischen Haltung ihr Leben verloren haben.

Gerade der Gedenkfriedhof Stukenbrock stellt für uns einen ganz besonderen Ort dar, denn er ist an einer Stelle erstellt worden, die in der Zeit des Dritten Reiches schon vor dem Überfall auf die Sowjetunion als Gefangenenlager ausgewiesen wurden. Da dieser Ort durch seine Vergangenheit vieles negatives mit sich bringt ist umso wichtiger, dass dieser Ort heute von Würde, Einsicht und Aufrechtigkeit gekennzeichnet ist.

Die LandesschülerInnenvertretung NRW setzt sich in ihrer Arbeit gegen Rechtsradikalismus ein. Bei dieser Arbeit wird wieder immer wieder deutlich, wie sehr SchülerInnen immer noch betroffensind von den Verbrechen der Vergangenheit. Gleichzeitig sind auch immer noch Fragezeichen bei uns allen zu sehen: „Warum musste sowas passieren?“.

Das dass Dritte Reich mit seiner menschenverachtenden Geschichte auch von Schülern und Studenten in NRW immer noch verstanden und verarbeitet werden muss , wird seit vielen Jahren daran deutlich, wie viele junge Leute in der Schule und an der Uni dieses zum Thema ihrer Arbeiten wählen. Es werden verschiedene Möglichkeiten gesucht, um all die eigenen negativen Fragen über diese Zeit zu klären. Dabei, aber auch im Alltag wird den SchülerInnen und uns immer deutlich, dass wir Widerstand gegen Rechtsradikalismus zeigen müssen.

Widerstand bedeutet auch, SchülerInnen zu informieren, was gegen Rechtsradikalismus getan werden kann, Aktionen gegen Faschismus zu starten und gemeinsam mit allen Menschen gegen diese politische Richtung anzukämpfen.

Wir bewundern deshalb alle Menschen, die schon in der Zeit von 1939-1945 einen besonderen Widerstand gezeigt haben. Sie sprachen sich in dieser Zeit gegen Rassismus, die unmenschliche Ideologie, die Diskriminierung von Minderheiten und gegen die Diktatur aus. In unserer antifaschistischen Arbeit können wir immer noch von diesen Menschen lernen, die schon damals ein Zeichen gegen die Diktatur setzten.

Wir als Schülerinnen und Schülern bewundern all die Menschen, die in der Zeit des Dritten Reich selbst noch Jugendliche waren und dort schon einen besonderen Widerstand zeigten. Viele von ihnen zeigten, dass es sich auch unter Lebensgefahr lohnt, sich für Demokratie und Menschenrechte einzusetzen. Unser Stolz gegenüber diesen Menschen äußert sich auch, da sie die viel beschworene Courage und den Mut für etwas einzutreten hatten, was nicht erwünscht, verboten und mit Todesstrafe bedroht war.

Deshalb sind solchen Widerstandskräfte für uns als SchülerInnen ein Vorbild, aber auch für alle Jugendlichen, für die meisten Bürgerinnen und Bürger; gerade in Zeiten wie den unseren, in denen Rassismus, Intoleranz und Diskriminierung vielfach in die Gesellschaft vordringen und Volksverhetzer wie die rechtspopulistische Partei „NDP“ immer noch in die Politik eingreifen will.

Auch wir als LandesschülerInnenvertretung begegnen im Schulalltag und in der Freizeit immer wieder Rassismus und Fremdenhass. Wir setzen uns nach Kräften dagegen ein. Denn uns ist es wichtig und dies sollte im Mittelpunkt unserer ganzen Gesellschaft stehen, dass jeder Mensch sich mit seiner Herkunft, Religion, Stärken und Schwächen frei entfalten kann; eine freie Entfaltung in einer Gesellschaft, die nicht von Diskriminierung, sondern von Selbstbestimmung, Meinungsfreiheit und gegenseitiger Toleranz gekennzeichnet ist.

Zum Ende unseres Grußwortes möchten wir betonen, dass wir alle als Menschen zusammenarbeiten und uns unterstützen müssen, um ein Zeichen gegen Diskriminierung und Fremdenhass zu setzen. Denn unsere heutige Gesellschaft, soll von der Individualität jedes Menschen gekennzeichnet und jeder Mensch soll seinen eigenen Platz finden ohne Rassismus.