Eröffnung Mahn- und Gedenkveranstaltung am 1. Sept. 2012 in Stukenbrock

Hubert Kniesburges
Vorsitzender des Arbeitskreises
BLUMEN FÜR STUKENBROCK

Liebe Friedensfreundinnen,
liebe Friedensfreunde
sehr geehrte Damen und Herren,
heute – fast auf den Tag genau – vor 45 Jahren trafen sich zahlreiche Menschen aus Ostwestfalen-Lippe und darüberhinaus hier am Gräberfeld des Sowjetischen Soldatenfriedhof in Stukenbrock. „Zum mahnenden Gedenken“, wie es im ersten Aufruf hieß. Das lose Personenbündnis, das die Gedenkfeier organisierte, wollte sich nicht damit abfinden, diese Stätte faschistischen Verbrechens dem allmählichen Vergessen preis zugeben.
Für mehr als 300.000 sowjetischer Kriegsgefangener begann 1941 im Stalag 326 in der Senne bei Stukenbrock der Leidensweg. 65.000 von ihnen wurden zu Tode gefoltert und gequält oder starben durch Hunger und Krankheit. Außer ihnen starben in diesem Lager zahlreiche Gefangene und Zwangsverschleppte aus der damaligen UdSSR, aus Polen, Frankreich, Italien und Jugoslawien. Nichts und niemand wird vergessen!
In der Erinnerung an ihr Leid und an ihren Tod gedenken wir der vielen Millionen Menschen, die durch die faschistische Gewaltherrschaft umgekommen sind und die in den zahlreichen Kriege des vergangenen und begonnenen Jahrhunderts ihr Leben verloren haben. All diese Toten mahnen uns, Kriege als Mittel der Politik zu ächten!
Mit einer Schweigeminute wollen wir der Toten gedenken.
Wenn wir heute auf 45 Jahre Antikriegstag in Stukenbrock zurückblicken, so fällt der Blick keineswegs auf eine friedliche, von Völkerfreundschaft und Völkerverständigung geprägten Zeit zurück. Zu keinem Zeitpunkt ist diese Welt ohne kriegerische Auseinandersetzungen gewesen.
Und heute? Der diesjährige Antikriegstag steht unter keinen guten Vorzeichen: Kriege und Bürgerkriege in der Welt haben nicht abgenommen, bewaffnete Konflikte drohen sich regional auszuweiten, die weltweiten Rüstungsaufwendungen sowie der internationale Waffenhandel befinden sich auf einem Rekordhoch. Rassistischen und neonazistischen Provokationen gehen unvermindert weiter. Wir erleben es zur Stunde in Dortmund, wo sich tausende von Antifaschisten dem Aufmarsch von Neonazis in den Weg stellen. Wir schicken ihnen von hier aus unsere solidarischen Grüße. Nach 45 Jahren kommen wir immer noch zum Antikriegstag nach Stukenbrock, weil es notwendig ist, weiterhin Zeichen zu setzen:

  • für den sofortigen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan.
  • gegen eine drohende Militärintervention in Syrien und im Iran. Nicht Menschenrechte und Atompolitik sind Auslöser der Konflikte, sondern der Anspruch der Vorherrschaft in einer geostrategisch wichtigen Region zu sichern.
  • für einen sofortigen Stopp von Waffenexporten
  • gegen Nazis, Rassismus und Fremdenhass
  • gegen die Militarisierung der inneren Sicherheit

18 Jahren nach dem Überfall der Hitler-Wehrmacht auf Polen – am 1. September 1957 – hat der Deutsche Gewerkschaftsbund mit der Losung NIE WIEDER KRIEG erstmalig zum Antikriegstag in der Bundesrepublik aufgerufen. Heute ist ein ganz besonderer Tag. Der Antikriegstag findet zum 45. Mal in der Senne auf dem Gräberfeld des sowjetischen Soldatenfriedhof in Stukenbrock statt, während der DGB mit vielfältigen Aktionen im ganzen Land zum 55. Antikriegstag aufruft. Gerne gebe ich jetzt das Mikrofon an den Kollegen Michael Sommer weiter.