Antikriegstag 2011 - Eröffnung der Mahn- und Gedenkveranstaltung am 3. Sept. 2011 in Stukenbrock

Hubert Kniesburges Vorsitzender des Arbeitskreises BLUMEN FÜR STUKENBROCK
03.09.2011
Liebe Friedensfreundinnen,
liebe Friedensfreunde
sehr geehrte Damen und Herren

ein klarblauer Himmel versprach an diesem Sonntag, dem 22. Juni einen schönen, warmen Start in den Sommer 1941. Überall in der damaligen Sowjetunion freuten sich die jungen Menschen auf die traditionellen Schulabschlussfeiern.

Doch der herrliche Sommertag wurde sehr schnell blutrot eingetrübt durch Artilleriefeuer und Bombardements. Niemand wollte so recht glauben, dass an diesem Morgen das Leben in Frieden abrupt beendet war. Von nun an waren die Menschen gezwungen, ihr Recht auf Leben zu verteidigen und dafür zu sterben.

Wenige Wochen nach dem völkerrechtswidrigen Überfall der deutschen Wehrmacht auf die UdSSR kamen die ersten Kriegsgefangenen unter unmenschlichen Bedingungen in dieses Lager Stalag 326. Und es waren überwiegend junge Menschen, die noch vor nicht allzu langer Zeit hoffnungsvolle Pläne für ihre Zukunft geschmiedet haben.
Bis April 1945 wurden an diesem Ort 65.000 sowjetische Kriegsgefangene zu Tode gefoltert und gequält oder starben durch Hunger und Krankheit. Außer ihnen starben in diesem Lager zahlreiche Gefangene und Zwangsverschleppte aus der UdSSR, aus Polen, Frankreich, Italien und Jugoslawien.

So wie wir an ihr Leid und an ihren Tod erinnern, gedenken wir all der vielen Millionen Menschen, die durch die faschistische Gewaltherrschaft umgekommen sind und die in den vielen Kriegen danach ihr Leben verloren haben. All diese Toten mahnen uns, Kriege als Mittel der Politik zu verdammen!

Mit einer Schweigeminute wollen wir der Toten gedenken.

Am 22. Juni 2011 wurde in zahlreichen und vielfältigen Veranstaltungen in Deutschland des 70. Jahrestages gedacht, der in der deutschen Geschichte für Verbrechen und der Schande steht. Das lässt sich von der veröffentlichten Meinung nicht durchgängig behaupten. Da sind sie alle zu finden, die Lügen und Legenden, die Verfälschungen der Geschehnisse. Es wird viel geschrieben und mit einem wissenschaftlichen Anstrich versehen, um das Bild von der „sauberen Wehrmacht“ oder vom „Präventionskrieg“ aufrecht zu erhalten. Der Gefahr, dass sich eine historische Amnesie ausbreitet, dass historische Fakten verdreht werden und Geschichtsfälschung im großen Umfang betrieben wird, gilt es, entgegen zu wirken.

Dabei sind durchaus andere Töne zu hören. Anläßlich einer Veranstaltung zum 70. Jahrestag des Überfalls auf die UdSSR in Wewelsburg mit dem Freiburger Militärhistoriker Wolfram Wette schreibt die Neue Westfälische in ihrer Paderborner Ausgabe vom 27.06.2011: „Wette betonte nachdrücklich, weder die „Präventivkriegsthese“ noch die „Wehrmachtslegende“ seien wissenschaftlich seriös belegbar. Im Gegenteil: Seit den1980er Jahren habe die internationale Geschichtsschreibung die Verantwortung der Wehrmacht unter anderem für den Tod von drei Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen und sechs bis zehn Millionen sowjetischen Zivilisten sowie die enge Zusammenarbeit zwischen Wehrmacht und SS beim Judenmord in der Sowjetunion eindeutig nachgewiesen.“

Fest steht: Nicht der Weg über eine Lügenbrücke führt dauerhaft zu Versöhnung und gegenseitigem Verständnis, Achtung und Akzeptanz sondern die Erinnerung an das, was tatsächlich passiert ist. Deshalb vergessen wir hier auf dem sowjetischen Soldatenfriedhof in Stukenbrock nichts und niemanden.

Vergessen werden darf auch nicht, dass nur wenige Meter von uns entfernt der Truppenübungsplatz „Senne“, eine „wildschöne Landschaft“ beginnt, die seit mehr als 100 Jahren von dem Militär als Lernort des Tötens missbraucht wird. Ende letzten Jahres hat die britische Rheinarmee angekündigt, bis 2020 diesen Standort aufzugeben. Jetzt besteht die einmalige Chance, dieses Areal einer friedlichen Nutzung zuzuführen, beispielsweise als Nationalpark.
Gegner einer zivilen Umnutzung der Senne, allen voran der eingefleischte Militarist und CDU-Europaabgeordnete Elmar Brok, der sich gerne als „waschechter Senne-Junge“ verkauft, wollen um jeden Preis den Truppenübungsplatz erhalten und unter der Regie der Bundeswehr weiterführen.

Wir stimmen dem Aktionskreis FREIE SENNE zu, der im Hövelhofer Appell fordert:
Es ist an der Zeit, ein Ende zu machen mit dieser Militärgeschichte der Senne. Wir fordern:
sofortige Einstellung der Kriegsübungen in der Senne und Abbau der Kampfdörfer
Schluß mit dem Krieg in Afghanistan;
eine zivile Zukunft für die Senne;
Schutz für Mensch und Natur!

Weitere Informationen sind an den Informationsständen zu finden und unter www.initiative-gegen-krieg-paderborn.de.
Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit.