Antikriegstag 2016 - Mahn- und Gedenkveranstaltung am 3. September in Stukenbrock-Senne

Begrüßung durch Hubert Kniesburges

Liebe Friedensfreundinnen und -freunde, verehrte Anwesende,
ich begrüße euch zu der diesjährigen Mahn- und Gedenkveranstaltung hier auf dem Gräberfeld sowjetischer Kriegsgefangener in Stukenbrock-Senne.
Ganz besonders begrüße ich
Andrey Latkov, Attaché des Generalkonsulats der Russischen Föderation in Bonn
Uwe-Karsten Heye, Vorstand des Vereins „Gesicht zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland“ wird heute die Gedenkrede sprechen
Heinz-Wilhelm Tzschentke, stellv. Bürgermeister der Stadt Schloß Holte
Friedhelm Schäffer, Vorstansmitglied des Fördervereins der Dokumentationsstätte Stalag 326 Senne e.V.
Weiter begrüße ich Bundestagsabgeordnete der SPD und der Partei Die Linke, Landtagsabgeordnete der SPD, Ratsvertreter der SPD und der Grünen aus Schloß Holte-Stukenbrock sowie die Bezirksvorsitzende Ruhr Westfalen der DKP
liebe Friedensfreundinnen und -freunde, verehrte Anwesende,
75 Jahre ist es her, dass sowjetische Kriegsgefangen hier in das Lager Stalag 326 in Stukenbrock-Senne verschleppt wurden. Heute versammeln wir uns hier zur 50. Mahn- und Gedenkveranstaltung seit 1967 auf diesem Gräberfeld anlässlich des Antikriegstages, der an den völkerrechtswidrigen Angriff der Wehrmacht am 1. September 1939 auf Polen erinnert. Wir gedenken der 65.000 toten sowjetischen Kriegsgefangenen, die hier im Lager 326 zu Tode gequält wurden. Außer ihnen starben in diesem Lager zahlreiche Gefangene und Zwangsverschleppte aus der UdSSR, aus Polen, Frankreich, Italien und Jugoslawien.
So wie wir an ihr Leid und an ihren Tod erinnern, gedenken wir der vielen Millionen Menschen, die im 2. Weltkrieg und den vielen Kriege danach, bis in die aktuelle Gegenwart ihr Leben verloren haben. All diese Toten mahnen uns, Kriege als Mittel der Politik zu verdammen!
Mit einer Schweigeminute wollen wir der Toten gedenken:
Wenn wir heute bei der 50. Mahn- und Gedenkveranstaltung zurückblicken, so fällt der Blick keineswegs auf eine friedliche, von Völkerfreundschaft und Völkerverständigung geprägten Zeit. Zu keinem Zeitpunkt ist diese Welt ohne kriegerische Auseinandersetzungen gewesen.
Auch der diesjährige Antikriegstag steht unter keinen guten Vorzeichen: Kriege und Bürgerkriege in der Welt haben nicht abgenommen, bewaffnete Konflikte haben sich längst zu großflächigen Krisenherden ausgeweitet. In einem nie dagewesenen Ausmaß sind Millionen von Menschen weltweit auf der Flucht vor Krieg und Terror. Wer Fluchtursachen bekämpfen will, sollte sich für eine friedliche Lösung aller Konflikte einsetzen, sollte seine Stimme erheben gegen Kriegswaffenexporte. Wer Waffen exportiert, fördert Kriege und erntet Flüchtlingsströme. Das Flüchtlingselend und der Terror sind eng verbunden mit den Kriegen der Gegenwart.
Nur wenige Meter von uns entfernt beginnt der Truppenübungsplatz „Senne“. Eine „wildschöne Landschaft“, die seit mehr als 120 Jahren von dem Militär als Lernort des Tötens missbraucht wird. Die britische Rheinarmee hat mit dem angekündigten Abzug begonnen. Jetzt besteht die einmalige Chance, dieses Areal einer friedlichen Nutzung als Nationalpark zu zuführen.
Wir sind vor fast 50 Jahren Jahren angetreten, um gegen den Zeitgeist Brücken nach Osten zu bauen und uns gegen das Vergessen zu engagieren. Gerade heute ist es wichtig, angesichts der 65.000 Toten von Stukenbrock, erneut an die Verantwortlichen in unserem Lande zu appellieren, alles zu tun, dass Frieden bleibt, Frieden zwischen den Menschen, Frieden zwischen den Völkern.

Gedenkrede Uwe-Karsten Heye

Wer könnte in Worte fassen, was hier an diesem Ort an menschenfeindlichem Hass ausgelebt wurde. Wer immer hier in den letzten Jahren gesprochen hat, musste daher erkennen, dass kein Wort verfügbar ist, was das Grauen treffend beschreiben könnte, das sich hier vor mehr als 70 Jahren zugetragen hat. Der einzige, dem doch eine Annäherung gelang, war Heinrich Albertz, der Stukenbrock wie ein Kritiker seiner Erinnerungen es empfand, mit „Demut und Aufrichtigkeit weiht“. Seitdem ich die Biografie von Heinrich Albertz gelesen habe, Pastor und in den 1960er Jahren Regierender Bürgermeisters von Berlin, weiß ich von diesem Stammlager und es regte mich vor Jahren an, Stukenbrock zu besuchen, diesen im deutschen Geschichtsbuch fast unbekannt gebliebenen Ort, der auch in Schulbüchern keine Erwähnung findet.

Das Stammlager (STALAG) 326, das größte Kriegsgefangenenlager für russische Soldaten, wurde fast zeitgleich 1941 mit dem Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion gegründet. Die ersten 7.000 Gefangenen wurden bereits im September 1941 hinter Stacheldraht und Wachtürmen auf freies Feld getrieben - nur drei Monate nach Kriegseintritt der Sowjetunion. Dort blieben sie sich selbst überlassen, sie vegetierten unter freiem Himmel, ohne ausreichende Nahrung oder medizinische Betreuung. Es gab keinen Schutz vor Kälte oder Regen, sie lebten in selbst ausgehobenen Höhlen.

Der programmierte Tod, der an diesem Ort sichtbar wird, zeigt auf, was der Überfall auf Russland 1941 zum Ziel hatte: Die Nazis und selbsternannten Herrenmenschen wollten die Auslöschung Russlands und die Versklavung der Wenigen, die den Mordauftrag der Wehrmacht überleben würden.

Wie das erreicht werden sollte, zeigt auch das Massengrab Stukenbrock. Nicht anders als die Genickschusssalven, mit denen Sonderkommandos der Bereitschaftspolizei hinter der Front im Baltikum und in der Ukraine die „Schtetl“ judenfrei schossen. Und russische Kriegsgefangene, die ihre Massengräber selbst ausheben mussten, in die sie anschließend geschossen wurden. Rund 300.000 Gefangene gingen in vier Jahren, bis zur Befreiung im Juni 1945, durch das Lager Stukenbrock. In 36 Massengräbern liegen mindestens 65.000 - zu Tode gequälte sowjetische Kriegsgefangene. Keiner kennt die genaue Zahl, und niemand wird sie je erfahren. In Nebenlagern waren außerdem Menschen aus Polen, Italien und Frankreich und den Balkanländern gefangen, für die es immerhin Baracken gab.

Seit im vorigen Jahr Bundespräsident Gauck eine erste Stele mit 900 Namen der bislang scheinbar namenlosen Toten enthüllte, wurden wenigstens diese der Anonymität entrissen, und ihre Schicksale werden zum Schicksal von Personen. Weitere Stelen mit Namen von Opfern sollen die Erinnerung wach halten an die Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die an ihnen verübt wurde.

Wer im weltweiten Netz das Suchwort „Stukenbrock“ eingibt, wird alles über den beliebten Zoo und „größten deutschen Safaripark“ Stukenbrock erfahren. Auf die Nachbarschaft der Todesstätte des Stalag IV K 326 Stukenbrock-Senne stößt nur, wer schon weiß, dass es hier einen Ehrenfriedhof und eine Gedenkstätte gibt. Umso wichtiger ist der jährlich im September stattfindende Gedenk- und Antikriegstag des Arbeitskreises „Blumen für Stukenbrock“. Es ist dieser privat organisierte Verein, der im kommenden Jahr sein 50jähriges Bestehen feiern kann. Aus der Friedensbewegung entstanden, gelingt es dem Arbeitskreis bis heute, die Geschehnisse in Stukenbrock vor dem Vergessen zu bewahren.

Vor einem Jahr mahnte Bundespräsident Gauck ein nachdrücklicheres Gedenken an für das Leid der Menschen, die hier als Kriegsgefangene zu Tode kamen. Es wäre für das Land Nordrhein-Westfalen sicher angemessen, dem Wort des Bundespräsidenten Geltung zu verschaffen und den Arbeitskreis „Blumen für Stukenbrock“ auch finanziell in seiner Erinnerungsarbeit zu unterstützen. Seit Jahrzehnten ist der Arbeitskreis bemüht, Kontakte in Russland zu denen zu knüpfen, die um Angehörige trauern, die hier ums Leben gekommen sind. Und den Hinterbliebenen eine kleine Rente zuzusprechen. Das setzte allerdings voraus, dass die Opfer des Überfalls der Wehrmacht auf Russland gleichberechtigt im Gedenken an die mehr 40 Millionen Menschen erinnert werden, die im Zweiten Weltkrieg den Tod fanden.

Mehr als 20 Millionen Opfer allein in Russland: Es war das erklärte Ziel der Nazis, der „Endlösung der Judenfrage“ die Auslöschung des russischen Volkes folgen zu lassen. Das Unternehmen „Barbarossa“, so der Tarnname für den Überfall auf die Sowjetunion, war nach 1945 im Kalten Krieg umgelogen worden zum Kampf gegen den Stalinismus. So sahen viele aus der Generation der Täter keinen Anlass, sich der schrecklichen Wahrheit über das wirkliche Ziel des Überfalls auf die Sowjetunion zu stellen.

Erneut hören wir heute im rechtspopulistischen Fahrwasser der AfD und der „Abendspaziergänger“ montags in Dresden und anderswo die Aufforderung, die Vergangenheit endlich ruhen zu lassen. Gleichzeitig macht sich schon wieder das elende Denken breit, es gebe die einfachen Antworten. Dabei wird nur Hass geschürt, und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit verbreitet gegen alles Fremde. Rassismus und Antisemitismus erobern sich Räume im Netz und finden sich als Parolen auf Häuserwänden. Flüchtlingsunterkünfte brennen. Feuerwehrmänner wehren sich gegen einen rechten Mob, der sie hindern will, die Flammen zu löschen. Neue Nazis auch in den alten Ländern. Der Blick auf Dresden sollte den Blick auf Dortmund und andere Städte im „alten Westen“ nicht verstellen, denn auch dort gibt es Morddrohungen gegen Bürger, Politiker und Journalisten, die sich den Rechtsextremisten entgegenstellen.

Mehr als tausend Attacken und Anschläge gegen Flüchtlinge und Flüchtlingsunterkünfte zeugen von wachsender Aggressivität am rechten Rand der Gesellschaft. Über Erfolge der Polizei bei der Aufklärung des Terrors von rechts ist allerdings weniger zu hören.

65 Millionen Flüchtlinge zählt das UN-Flüchtlingshilfswerk, und zeitgleich wächst die Bereitschaft in ganz Europa, den rechten Populisten zu folgen. Die Europäische Union ist in der Krise und die Gefahr eines erneuten Rückfalls in den Nationalismus wird beschworen, der Europa schon zweimal in schreckliche Kriege gestürzt hat. Vermutlich werden Flucht und Vertreibung zu den nachhaltigen Themen des noch jungen 21. Jahrhunderts gehören. Dazu kommen Naturkatastrophen, die ebenfalls durch den Menschen verursacht werden, der Klimawandel. Was die Welt also ganz bestimmt nicht braucht, ist die Wiederholung der Fehler, die das 20. Jahrhundert begleitet und erschüttert haben.

Es ist wichtig und wird immer wichtiger, zu einer wirklichen und nachhaltig wirksamen Friedenspolitik zurückzufinden. Ich hoffe immer noch, dass auch Europa sich erneut seiner historischen Aufgabe zuwendet, zu einer Friedensordnung für den Kontinent zu finden. Dazu gehört unabweisbar, entstandene Gegensätze zwischen Europa und Russland abzubauen. Dazu muss auch Moskau beitragen. Frieden wird es in Europa nur dann geben, wenn die Zusammenarbeit mit Russland wieder fruchtbar werden kann. Stukenbrock ist daher mehr als nur die Mahnung, Wiederholungszwang zu vermeiden. Keiner der Toten, die hier verscharrt wurden, und für die nun, nach und nach, endlich ein angemessener Erinnerungsort entsteht, könnte den heute lebenden Menschen verzeihen, wenn sie den tausendfachen Tod, der hier zu betrauern ist, vergessen würden.

Schlusswort von Werner Höner

Zunächst ein Dank an den Redner, den Künstler, die Teilnehmer des Jugendcamps, an die Helferinnen und Helfer und an Sie und Euch, die Anwesenden.
Ihr habt durch Eure Teilnahme an der heutigen Veranstaltung erneut zum Ausdruck gebracht habt, dass es hier in Stukenbrock über Partei- und Konfessionsgrenzen hinweg von großer Bedeutung ist, den gemeinsamen Willen zum NIE WIEDER Krieg und Faschismus hier an den Gräbern der 65.000 sowjetischen Kriegsgefangenen zu dokumentieren.
Die heutige Antikriegstagsveranstaltung unseres Arbeitskreises ist für mich die fünfzigste, an der ich teilnehme. Die erste war im Jahr 1967. Wir werden also im nächsten Jahr 50.
Da fragt man sich natürlich: Hat sich dieser Einsatz gelohnt? Haben wir etwas erreicht?
Wir meinen: Es hat sich gelohnt.
Der Antikriegstag, der an den Beginn des 2. Weltkrieges erinnern soll ist im Bewusstsein vieler Menschen verankert. Zigtausende Menschen haben in den vergangenen 50 Jahren ihren Willen zum Nie Wieder Krieg, Nie wieder Faschismus bekundet. Stukenbrock mahnt zum Frieden!
Heute ist es erneut angebracht, die Regierenden an das Friedensgebot des Grundgesetzes zu erinnern:
Deutschland darf sich nicht an dem, wie Außenminister Steinmeier sagte „Säbelrasseln“, beteiligen!
Deutschland muss jetzt ein klares Zeichen setzen.
Wir wollen, dass endlich die Atombomben aus Büchel abgezogen werden!
Da die NATO sich überlebt hat, ist an der Zeit, sich mit Russland engagiert um den Frieden zu bemühen!
Ich frage mich:
Was wäre geworden, wenn wir uns nicht zu einer politischen Gedenkstätteninitiative aufgerafft hätten?
Für uns gehörte und gehört die Erinnerung an die Kriegsverbrechen, die hier geschehen sind, unmittelbar zusammen mit notwendigen Lehren aus der Vergangenheit und somit einer Aufgabenstellung für die Gegenwart und Zukunft - ganz im Sinne der Mahnung von Stukenbrock
UND SORGET , IHR DIE IHR NOCH IM LEBEN STEHT, DASS FRIEDEN BLEIBT, FRIEDEN ZWISCHEN DEN MENSCHEN, FRIEDEN ZWISCHEN DEN VÖLKERN.
Ich bin davon überzeugt, dass unser Weg richtig und gerade für die Menschen hier in der Region notwendig war. Denn heute gibt es dank vielseitiger Aktivitäten die Dokumentationsstätte, heute gibt es Literatur und Filme über das Lager und den Friedhof und heute schätzt man die große Versöhnungsarbeit von Blumen für Stukenbrock weit über die Grenzen unseres Landes hinaus.
Heute verbinden viele Menschen in Moskau und Wolgograd, in Concarneau und Marzabotte den Namen Stukenbrock mit der Tätigkeit von Blumen für Stukenbrock.
Mit unserer Spendenaktion für die Überlebenden des Stalag seit den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts haben wir den Menschen, die hier gelitten haben deutlich gemacht, dass sie bei uns nicht vergessen worden sind. Dafür sind sie sehr dankbar und diesen Dank für Ihre Spenden der uns immer wieder erreicht, gebe ich hiermit weiter!
Das hätte im Namen aller Deutschen der Bundestag und die Bundesregierung tun müssen. Erst in diesem Jahr entschloss man sich zu einer kleinen finanziellen Entschädigung für die noch Lebenden. Seit Jahrzehnten haben wir diese gefordert.
Wir wollten durch unsere Arbeit gerade in der Zeit des Kalten Krieges Brücken bauen. Das ist uns auf vielen Gebieten gelungen. Überlebende des Stalag 326 und viele Menschen aus der damaligen Sowjetunion kamen hierher und bekundeten ihre Hochachtung vor den Friedensaktivitäten vieler Deutscher.
Überlebende hofften nach 1990 bisher vergeblich, dass das von ihnen gebaute Denkmal hier auf dem Friedhof wieder die Form erhielt, wie sie es 1945 errichtet hatten.
Die 1956 hier erfolgte Denkmalschändung wurde bedauerlicherweise im vergangenen Jahr seitens der NRW- Landesregierung auf Druck hiesiger CDU- Politiker nicht rückgängig gemacht, obwohl sie schon vor über 10 Jahren beschlossen war.
Dafür kann man kein Verständnis haben, ebenso dafür dass hier vor dem Friedhof nun eine BMX- Bahn entstehen soll.
Das alles zeigt, wie notwendig auch in der Zukunft eine politische Gedenkstättenarbeit und Wachsamkeit vor Geschichtsfälschern ist.
Unsere Forderungen nach einer aktiven Friedenspolitik als Bestandteil des Gedenkens werden wir weiter vertreten und dafür wollen wir arbeiten.
Dafür brauchen wir Ihre Unterstützung. Denn diese Arbeit ist wichtig heute und in Zukunft.

Aufruf zur Mahn- und Gedenkveranstaltung anlässlich des Antikriegstages 2016

Mahnung und Erinnerung

Mit der Mahn- und Gedenkveranstaltung am 3. September 2016 auf dem Sowjetischen Soldatenfriedhof in Stukenbrock wollen wir erneut Zeichen setzen gegen das Vergessen und für ein Engagement für Frieden und Menschlichkeit. Auch in 2016 werden wir mit Kriegen, Terrorismus, Kriegsflüchtlingen und einem starken Anstieg rechtsextremer Gewalt konfrontiert.

Es ist zu fragen, ob das millionenfache Morden im II. Weltkrieg und das damit verbundene unendliche Leid und Elend von vielen Menschen vergessen worden ist?

Es ist zu fragen, ob die Opfer des faschistischen Terrors dieser Zeit, ob die 65.000 sowjetischen Kriegsgefangenen, die in Stukenbrock in der Zeit von 1941 – 1945 zu Tode gequält wurden, angesichts der Terroropfer der Gegenwart weniger Beachtung finden dürfen?

Das Flüchtlingselend und der Terror sind eng verbunden mit den Kriegen der Gegenwart.

Wer etwas gegen die Ursachen der Massenflucht von Menschen tun will, sollte sich für eine friedliche Lösung aller Konflikte einsetzen, sollte seine Stimme erheben gegen die
Kriegswaffenexporte. Wer Waffen exportiert fördert Kriege und erntet Flüchtlingsströme.

Es reicht nicht aus, wenn auf der einen Seite die deutsche Außenpolitik auf eine friedliche Lösung von Konflikten orientiert und sie andererseits die aggressive NATO-Politik gegen Russland unterstützt. Der Frieden in Europa ist nicht ohne Russland zu sichern.

Wir erwarten von der Regierung der Bundesrepublik, dass sie sofort die Sanktionen gegen Russland aufhebt.
Wir erwarten von ihr, dass sie ihren Einfluss international geltend macht, damit alle Beteiligten ihre Verpflichtungen aus dem „Minsker Abkommen“ über die Waffenruhe in der Ukraine erfüllen.
Wir erwarten von der Regierung der Bundesrepublik, dass sie ihren ganzen Einfluss geltend macht, damit in Syrien und im nahen Osten bald Frieden herrscht.

Die Opfer der Kriege bleiben unvergessen!

„UND SORGET IHR, DIE IHR NOCH IM LEBEN STEHT, DASS FRIEDEN BLEIBT, FRIEDEN ZWISCHEN DEN MENSCHEN, FRIEDEN ZWISCHEN DEN VÖLKERN“

Diese Mahnung wurde auf dem sowjetischen Soldatenfriedhof in Stukenbrock in Stein gemeißelt. In ihrem Sinne arbeiten wir weiter gegen das Vergessen.
Bundespräsident Joachim Gauck sagte am 6. Mai 2015 in Stukenbrock u.a.:
„Damit diese Erinnerung nicht verwelkt, darum gab und gibt es die Initiative „Blumen für Stukenbrock“ ….“
Wir laden ein zur diesjährigen Mahn- und Gedenkveranstaltung am 3. September auf dem sowjetischen Soldatenfriedhof in Stukenbrock.

Blumen für Stukenbrock 2016
Mahn- und Gedenkveranstaltung zum Antikriegstag 2016
Sonnabend , 3. September
Sowjetischer Soldatenfriedhof Stukenbrock

14.00 Uhr Friedhofsführungen
15.00 Uhr KranzniederlegungGedenkansprache:
Uwe-Karsten Heye, Vorstand des Vereins
„Gesicht zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland“

Arbeitskreis Bumen für Stukenbrock e.V.
www. Blumen-fuer-Stukenbrock.de

Spendenkonto: Sparkasse Minden- Lübbecke
Konto: 87000238, BLZ 49050101
IBAN: DE 32 4905 0101 0087 0002 38

ViSP: Hubert Kniesburges, Brockweg 123; 33332 Gütersloh
Informationen: blumen-fuer-stukenbrock@kniesburges.net

Blumen für Stukenbrock trauert um Eberhard-Wolfgang Wrobel

Am 5.Juni verstarb nach langer Krankheit im Alter von 80 Jahren das langjährige Mitglied des Arbeitskreises Blumen für Stukenbrock Eberhard-Wolfgang Wrobel aus Schloß Holte - Stukenbrock.

Er gehörte unserem Arbeitskreis seit 1984 an. Er war der erste Schloß Holte- Stukenbrocker Kommunalpolitiker, der sich dem Arbeitskreis anschloss und mit diesem gegen das Vergessen und Verdrängen der Nazivergangenheit tätig wurde.

Die antifaschistische Einstellung seiner Eltern, die das Hitlerregime ablehnten, war prägend für seine eigene politische Haltung. Er war ein Mensch, der sich nach Kriegsende 1945 konsequent gegen alte und neue Nazis auflehnte.

Ein wichtiges Anliegen war ihm die Wahrung des Andenkens an die während der Zeit von 1941 -1945 im Stalag 326 Stukenbrock umgekommenen sowjetischen Kriegsgefangenen. Aufbauend auf die Mahnung von Stukenbrock „und sorget Ihr, die Ihr noch im Leben steht, dass Frieden bleibet, Frieden zwischen den Menschen, Frieden zwischen den Völkern“ setzte er sich stets für Völkerverständigung, gegen Rassismus, Faschismus und Intoleranz ein.

Die Schaffung einer Dokumentationsstätte im ehemaligen Stalag war ihm ein wichtiges Anliegen. Er gehörte zu den Gründern des später gebildeten Fördervereins. Ihm ging es um eine Gedenkstättenarbeit mit dem Ziel, aus der Geschichte zu lernen.

Er setze sich ein für die finanzielle Entschädigung der Überlebenden des Lages in der ehemaligen Sowjetunion, die in Stukenbrock gelitten hatten und organisierte mit dem Arbeitskreis die jährliche Spendenaktion.

Mit seiner Familie trauern die Mitglieder des Arbeitskreises Blumen für Stukenbrock um einen treuen und liebeswerten Mitstreiter.

Dr. Anatoli Popow gestorben

Der Arbeitskreis Blumen für Stukenbrock trauert um Dr.Anatoli Popow.
„Lasst uns hoffen, dass unser Arbeitskreis Blumen für Stukenbrock Erfolge in weiteren Einsätzen für Frieden und Freundschaft zwischen unseren Völkern erreichen wird. Wir werden uns gemeinsam darum kümmern“
Das waren die letzten Zeilen zum Jahreswechsel, die Anatoli Popow dem Arbeitskreis schrieb, bevor er am 14. Januar im Alter von fast 91 Jahren in einem Moskauer Hospital verstarb.
Dr. Popow, ehemaliger Botschaftsrat der UdSSR in Bonn, hat sich in seiner langjährigen politischen Tätigkeit besonders um gute Beziehungen zwischen den deutschen und russischen Volk eingesetzt.
Eng fühlte er sich mit den Anliegen des Arbeitskreises Blumen für Stukenbrock verbunden, dessen Mitglied er über 20 Jahre lang war.
Besonders am Herzen lag ihm das Schicksal der Überlebenden des ehemaligen Gefangenenlagers für sowjetischen Kriegsgefangene in Stukenbrock.
Große Verdienste erwarb er sich bei der gerechten Verteilung der gespendeten Gelder, die der Arbeitskreis für die ehemaligen Kriegsgefangenen alljährlich gesammelt hatte.
Für seine der Völkerverständigung dienende Arbeit zeichnete ihn die sowjetische Regierung in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts mit dem „Orden der Völkerfreundschaft“ aus.
Die Nachricht von seinem Tode hat uns sehr betroffen und traurig gemacht. Unsere Anteilnahme gilt besonders seiner Frau Valentina und seiner Tochter Olga.
Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Antikriegstag 2015 - Mahn- und Gedenkveranstaltung am 5. September in Stukenbrock-Senne


Begrüßung durch W. Höner


Unsere heutige Mahn- und Gedenkveranstaltung hier am Obelisken findet genau der Stelle statt, an der am 2. Mai 1945 die Einweihung dieses, von den Überlebenden des Stalag 326 gebauten Obelisken stattfand.
Damals waren nur wenige Deutsche dabei. Einer davon war auch der Stukenbrocker Antifaschist Heinrich Henkenjohann, der an dem Denkmal kräftig mitgearbeitet hat. Die Überlebenden haben seine Hilfe immer wieder anerkennend erwähnt.
Der Obelisk wurde seitdem dankenswerter Weise des Öfteren restauriert.
Aus politischen Gründen aber wurde er nicht wieder so hergestellt, wie ihn die Überlebenden gebaut hatten. Sie gaben dem oberen Abschluss dieses Denkmals symbolisch als Zeichen des Sieges der roten Armee über den Faschismus die Form eines Bajonetts mit der Fahne ihres Sieges.
Die Glasplastik der roten Fahne wurde im Kalten Krieg ohne Zustimmung der Erbauer des gegen ein orthodoxes Kreuz ausgetauscht. Obwohl 2005 und 2012 die Landesregierung signalisierte, der Bitte der Überlebenden entsprechend die Spitze des Obelisken wieder in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen, brach sie ihr gegebenes Versprechen im vergangenen Jahr.
Wir bedauern das sehr. Den Überlebenden, die den Antrag gestellt hatten, teilte man bis heute nicht einmal die Gründe für das Nichteinhalten ihres Versprechens mit.
Wir haben es begrüßt, dass erstmalig am 6. Mai in diesem Jahr der Bundespräsident anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung, den Weg hier nach Stukenbrock fand um der 65.000 Toten zu gedenken.
Seine Rede fand große Beachtung. Offiziell würdigte er darin u.a. das Engagement unseres Arbeitskreises.
Er sagte: „Damit die Erinnerung nicht verwelkt, darum gab und gibt es die Initiative Blumen für Stukenbrock“. Natürlich würdigte er auch das Engagement der Dokumentationsstätte.
Es wäre gut, wenn es nun zur Normalität würde, dass sich die Repräsentanten unseres Landes hier vor den Toten verneigen würden,
dass sie die Mahnung von Stukenbrock „und sorget Ihr, die Ihr noch im Leben steht, das Frieden bleibt, Frieden zwischen den Menschen, Frieden zwischen den Völkern“ allseitig zur Richtschnur deutscher Politik machen würden.
Ja es wäre notwendig, wenn man sich jetzt entschließen würde, den 8. Mai zu einem gesetzlichen Feiertag zu machen.
Wir begrüßen es, dass nun endlich nach vielen vergeblichen Mühen , auch unseres Arbeitskreises, der Bundestag im Mai dieses Jahres beschlossen hat, den noch lebenden ehemaligen sowjetischen Kriegsgefangenen eine Entschädigung zu zahlen.
70 Jahre mussten diese Menschen warten, bis ihnen eine symbolische Anerkennung zugesprochen wurde. Im Herbst soll mit der Auszahlung begonnen werden. Unabhängig davon werden wir unsere Solidarität mit den Überlebenden des Stalag 326 fortsetzen. Dazu sind uns Spenden stets willkommen.

Ich bitte sie nun, sich von den Plätzen zu erheben und in einer Schweigeminute der hier zu Tode gequälten Menschen zu gedenken. In dieses Gedenken beziehen wir alle Opfer des Faschismus und des von ihm aus ausgelösten Krieges ein.
Wir gedenken der zahllosen Opfer der Kriege und nicht zuletzt der Menschen, die auf der Flucht vor den Schrecken der Kriege ihr Leben lassen mussten.

Wir meinen, dass es auch 70 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges unerlässlich ist, gerade hier in Stukenbrock Erwartungen an die Politik zu richten, so wie wir das seit 1967 tun!
Heute geht es erneut um nichts Geringeres als um den Frieden! Ich denke hier u.a. an die Ukraine:
Wir sagen: Nur mit Russland wird es einen sicheren Frieden in Europa geben. Die Menschen in Russland müssen wissen, dass ihre Sorgen bei uns im Westen ernst genommen werden. Ihnen ist es nicht gleichgültig, dass inzwischen entgegen dem Versprechen des Westens im Zusammenhang mit der deutschen Wiedervereinigung Soldaten der NATO an ihren Grenzen üben.
Wir sind davon überzeugt, dass Sanktionen gegen Russland nur das Klima verschlechtern und Waffenlieferungen an die Ukraine nur die vorhandene Kriegsgefahr verschärfen würden.
Ja, das Völkerrecht sollte für alle gelten. Für die NATO- Staaten und ihre Politiker und natürlich auch für Russland!
Wir erwarten von der Bundesregierung, dass sie ihren Einfluss international geltend macht, dass alle Seiten alle Verpflichtungen des Minsker Abkommens über die Waffenruhe in der Ukraine erfüllen!
Von der Bundesregierung erwarten wir auch, dass sie auf den NATO-Partner Türkei mehr Druck ausübt, dass dieser endlich mit dem Krieg gegen das Volk der Kurden aufhört! Nicht die Kurden, sondern der IS bedroht den Frieden in der Region und darüber hinaus.
Uns alle berührt sehr das Schicksal der vielen Menschen, die gegenwärtig vorwiegend durch die Kriege im Nahen Osten und in Afghanistan ihre Heimat verlassen mussten und die bei uns Asyl beantragen. Ihnen gehört unsere Solidarität. Rassismus, Fremdenhass und Ausländerfeindlichkeit werden stets auf unseren Widerstand stoßen.
Es wird endlich Zeit, dass gerade die Staaten Westeuropas und der USA solche Hilfen in den Heimatländern dieser Menschen leisten, damit sie dort eine Zukunft haben. Auch hier ist Frieden das erste Gebot.
70 Jahre nach der Befreiung arbeiten wir weiter gegen das Vergessen!
Sorgen wir gemeinsam dafür, dass die Blumen von Stukenbrock niemals verwelken, wie es der unvergessliche Günter Gaus einmal formuliert hat.


Gedenkrede Hans Coppi, Vorsitzender der VVN/BdA/Berlin


In wenigen Tagen wird die Bundesregierung eine Richtlinie zur Auszahlung der Entschädigungsbeiträge für frühere sowjetische Kriegsgefangene erlassen. Dies war ein langer Weg. Erst 70 Jahre nach der Befreiung von Faschismus und Krieg konnte sich am 18. Mai der Bundestag fraktionsübergreifend zu diesem symbolischen Schritt durchringen. Dies wäre bereits vor 15 Jahren möglich gewesen, als sich Ende der 1990er Jahre bei der Debatte um die Entschädigung der Zwangsarbeiter zivilgesellschaftliche Initiativen wie der Arbeitskreis „Blumen für Stukenbrock“, „Kontakte-Kontakty“, die
VVN-BdA und auch Bundestagsabgeordnete für die Einbeziehung der sowjetischen Kriegsgefangenen einsetzten. Wer als Zivilist zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt wurde, konnte Leistungen aus dem Fonds der Bundesregierung und der deutschen Wirtschaft beantragen. Wer als sowjetischer Kriegsgefangener unter KZ-ähnlichen Bedingungen inhaftiert und zu schwerster Arbeit gezwungen worden war, erhielt nichts. Das Lager Stukenbrock war ein Umschlagplatz, ein Sklavenmarkt für die Kohlengruben und Stahlwerke im Ruhrgebiet, für das Torfstechen und für SS- Betriebe. Zum Aufpäppeln kamen sie in die Landwirtschaft, um danach erneut an die Industrie verliehen zu werden. 1944 mussten zwei Millionen Kriegsgefangene Zwangsarbeit leisten. Die Industrie profitierte davon enorm. Als Zwangsarbeiter wurden sie ausgebeutet. Als NS-Opfer wurden sie weder in Deutschland noch in der Sowjetunion und noch in den Nachfolgestaaten anerkannt und begünstigt.

Proteste gingen einher mit solidarischer Hilfe. Der Arbeitskreis Blumen für Stukenbock sammelte – 1996 beginnend – Spenden, die seitdem die Überlebenden erreichen. Der Berliner Verein Kontakte-Kontakty rief 2004 zum Bürger-Engagement für NS-Opfer in Ländern der ehemaligen Sowjetunion, denen die Bundesstiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ keine Zuwendungen übermitteln konnte. Tausende sowjetischer Kriegsgefangener wurden angeschrieben. Die Veteranen waren sehr überrascht aber auch hoch erfreut, dass Menschen in Deutschland an sie denken und mehr über ihr Schicksal erfahren wollten. In vielen Briefen schildern die Betroffenen ihre Odyssee durch die Lager, berichten von Hunger, Kälte, Zwangsarbeit, Misshandlungen und auch von Solidarität, die ihnen das Überleben ermöglichte. Aus eingeworbenen Spenden erhielten Tausende ehemalige Kriegsgefangene eine einmalige Zuwendung von 300 Euro. Briefe der bewegenden Korrespondenz kann man auf der Website des Vereins „Kontakte Kontakty“ einsehen.
Am 6. Mai suchte zum ersten Mal ein Bundespräsident Stukenbrock auf, den größten Friedhof für sowjetische Kriegsgefangene in Deutschland. Joachim Gauck erinnerte an eines der schändlichsten Verbrechen des Naziregimes, das bisher in der deutschen Erinnerungskultur kaum zur Kenntnis genommene Leiden und das millionenfache Sterben von Rotarmisten in deutscher Gefangenschaft. Es gab und gibt in der deutschen Öffentlichkeit immer noch einen großen Nachholbedarf an Wissen um das Geschehene. Oftmals fehlt auch die Empathie, sich dem Schicksal der Opfer des deutschen Raub- und Vernichtungskrieges zu öffnen. Der Sowjetsoldat – mehr als der Russe“ bekannt – galt im Kalten Krieg noch lange als Feind, so auf CDU-Plakaten in Wahlkämpfen der frühen Bundesrepublik.
Dieser Friedhof war dank des bürgerschaftlichen Engagements des Arbeitskreises „Blumen für Stukenbrock“ einer der wenigen Orte, an denen bereits seit 1967 der Opfer des einstigen Kriegsgegners gedacht wurde. Seine Arbeit war lange Zeit von Vorbehalten begleitet. Die Aktivisten galten einigen sogar als „Nestbeschmutzer“. Ich möchte allen Mitstreiterinnen und Mitstreitern des Arbeitskreises für ihre jahrzehntelange unermüdliche Arbeit für Völkerverständigung und Frieden danken.

Dank der Öffnung von Archiven und neuer Veröffentlichungen haben sich in den letzten 25 Jahren die Kenntnisse über das Ausmaß der Verbrechen an sowjetischen Kriegsgefangenen beträchtlich erweitert. Gedenkstätten wurden eröffnet. Überlebende und Angehörige waren und sind sehr dankbar, dass seit 1996 die Dokumentationsstätte in Stukenbrock ausführlich über das Lager und die Insassen berichtet und dass nunmehr viele der Toten auf zahlreichen Tafeln wieder ihre Namen erhalten.
Die befreiten Gefangenen errichteten im April 1945 den Obelisk – an der Spitze mit einer gläsernen roten Fahne der Sowjetunion. Es war das erste Denkmal in Deutschland, das an ihre ermordeten, verstorbenen und verscharrten Kameraden erinnerte. Mitte der 1950er Jahre – in Hochzeiten des Kalten Krieges – wurde die Fahne durch ein orthodoxes Kreuz ersetzt. Vertreter der Landesregierung in Düsseldorf begrüßten 2005 den Wunsch von Überlebenden, auf dem Obelisk die gläserne sowjetische Fahne erneut anzubringen, um damit den authentischen Zustand des am 2. Mai 1945 eingeweihten Denkmals wieder herzustellen. Diesen Konsens stellten 2013 Politiker aus Westfalen in Frage. Ohne die früheren Häftlinge und den ihre Interessen vertretenden Arbeitskreis „Blumen für Stukenbrock“ anzuhören, wurde im Dezember 2014 in einer großen Runde von Politikern in der Landeshauptstadt entschieden, das orthodoxe Kreuz an der Spitze zu belassen. Für mich richtete sich dieser bizarre „Flaggenstreit“ letztendlich gegen den „letzten Willen“, gegen das Testament der hochbetagten früheren Insassen des Lagers, was ich sehr bedauere. Unter dem roten Banner mit Hammer und Sichel haben sowjetische Soldaten ihr Vaterland verteidigt und gemeinsam mit den Alliierten Europa vom Naziregime befreit. Diese Fahne war in den Kriegsjahren für Churchill, Roosevelt, De Gaulle und für Millionen Menschen ein Hoffnungszeichen. Dies gilt ebenso für viele Widerstandskämpfer in Deutschland, auch für meine Eltern. Sie wurden wegen ihrer Mitarbeit in Widerstandskreisen der „Roten Kapelle“, zum Tode verurteilt und in Plötzensee hingerichtet. Ich habe sie mein Leben lang vermisst.

In das heutige Gedenken möchte ich auch die Gefangenen einbeziehen, die im Herbst 1941 in Konzentrationslagern ermordet wurden. Im Juli 1941 wurden auf deutschen Truppenübungsplätzen Lager für über 120.000 sowjetische Kriegsgefangene eingerichtet. SS-Einsatzkommandos überprüften sie vor ihrem Zwangsarbeitseinsatz und sonderten willkürlich entgegen den Genfer Konventionen Verdächtige aus. Es handelte sich um Juden, "Intelligenzler”, Funktionäre der Kommunistischen Partei, "Aufwiegler”, "fanatische Kommunisten” und auf Wunsch der Wehrmacht sogar unheilbar Kranke. Die Entlassung von Gefangenen aus der „Obhut“ der Wehrmacht in die Verfügungsgewalt des Sicherheitsdienstes war die Voraussetzung für die darauf folgende Mordaktion. Nach Bestätigung durch die Gestapoleitstellen wurden die Gefangenen, zur „Sonderbehandlung“ in die Konzentrationslager überstellt. An die KZ-Kommandanten erging der Befehl, die Kriegsgefangenen nach ihrer Ankunft zu exekutieren. In Sachsenhausen wurde in einer nahe dem Lager gelegenen Baracke eine Genickschussanlage errichtet und hinter der Baracke vier transportable Feldkrematorien aufgestellt. Das Oberkommando der Wehrmacht lieferte Öl für die Feuerung der Öfen und Pistolenmunition. Über 10.000 Kriegsgefangene wurden im Herbst 1941 Opfer des Massakers. Der aufsteigende Rauch von verbranntem Menschenfleisch legte sich bei Windstille über das Lager und den nahegelegenen Ort Sachsenhausen bis nach Oranienburg. Kinder riefen auf den Straßen SS-Angehörigen „Russenbrenner“ nach. Über 4.000 weitere ausgesonderte Gefangene wurden auf dem SS-Schießplatz Herbertshausen nahe bei Dachau erschossen und 8.000 per Genickschuss in Buchenwald getötet, davon 4.000 aus Stukenbrock. Die 1500 in Auschwitz durch den Ersteinsatz von Zyklon B ermordeten sowjetischen Kriegsgefangenen erwähnte Joachim Gauck am 27. Januar anlässlich der Gedenkfeier im Bundestag zur Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee vor 70 Jahren.

Ich habe den Eindruck, dass sich in diesem Jahr der Umfang der Berichterstattung aber auch der Ton verändert hat, in dem über die Rotarmisten und das Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen berichtet wurde. Am 8. Mai gedachte der Bundespräsident in der Kriegsgräberstätte im Brandenburgischen Lebus der sowjetischen Soldaten, die im Kampf um die Befreiung Deutschlands gefallen waren. Es folgte am 10. Mai der Besuch von Angela Merkel am Mahnmal des unbekannten Soldaten in Moskau. Sicherlich sind all dies wichtige Gesten in Zeiten zunehmender Konfrontation zwischen Russland und Deutschland. Die Politik benötigt jedoch nicht nur Symbole. Aus der Erinnerung an die Verbrechen des Naziregimes heraus erwächst eine historische Verantwortung, alles für die Bewahrung des Friedens in der Welt zu tun. Es geht auch um den inneren Frieden, gilt es doch Menschen in Deutschland zu schützen, die in größter Not aus Kriegsgebieten geflohen waren. Neonazis, Wut- und Hassbürgern greifen Flüchtlinge an, ihre Unterkünfte brennen. Die NPD als geistiger Brandbeschleuniger sollte nicht weiter von V-Leuten des Verfassungsschutzes alimentiert sondern endlich verboten werden.

Der kriegerische Konflikt in der Ukraine hinterlässt bei Veteranen der Roten Armee einen großen Schmerz. Zum 1. September 2014 riefen zwei ehemalige sowjetische Kriegsgefangene in einem Friedensappell zur Versöhnung zwischen Ukrainern und Russen auf:
Wir Veteranen der Roten Armee gerieten als Frontkämpfer in deutsche Gefangenschaft. Wir sind Überlebende eines Menschheitsverbrechens, dem über drei Millionen unserer Kameraden zum Opfer fielen. Wir überlebten, weil wir solidarisch waren. Russen, Belorussen, Ukrainer, Kaukasier, Mittelasiaten teilten das gleiche Schicksal in den Lagern der Wehrmacht und halfen sich brüderlich. Wir alle riefen nach der Befreiung dasselbe: NIE WIEDER KRIEG! Es ist eine einfache Lehre, die wir aus unserer harten Lebensgeschichte ziehen: Nationaler Egoismus, Nationalismus ist die Keimzelle des Unfriedens zwischen Nachbarvölkern. Die Deutschen haben dies gelernt und leben in friedlicher Union mit ihren einstigen Feinden. Wir sowjetischen Kriegsveteranen glaubten nach der Befreiung, alle Bürgerinnen und Bürger unserer multinationalen Union hätten als Überlebende und Besieger des faschistischen Terrors umso mehr gelernt. Unvorstellbar war der Gedanke, dass sich dereinst unsere Völker in Hass und nationalem Dünkel gegenüber stünden. Es heißt, wir seien Brudervölker. Wer ist hier Kain, wer Abel? Die Medien beider Länder nennen die einen „Terroristen“, die andern „Faschisten“.
Besinnt Euch! Erstickt Euren Hass, redet miteinander statt aufeinander zu schießen! Blickt zurück: Krieg und Stalinismus belasteten Russen und Ukrainer gleichermaßen. Die Nazis wollten uns gegeneinander hetzen, um beide Seiten besser zu beherrschen. Wo es ihnen gelang, floss auf beiden Seiten Blut. Ihr jungen Leute mit der Kalaschnikow in ungeübter Hand, respektiert Eure Großväter, die mit ihrer Waffe einen wirklichen Feind vertrieben. Hört auf uns, die in faschistischen Lagern das wenige Brot miteinander teilten. Benehmt Euch wie Mitglieder einer Familie, in der man sich streitet im Bewusstsein gegenseitigen Respekts und sich wieder verträgt.
Macht endlich Frieden miteinander!
Nikolaj Lebedew, Russland Semen. Iwtschenko, Ukraine.
Verbreiten wir ihr Vermächtnis, die Botschaft des Friedens und der Versöhnung in einer von Kriegen bedrohten Welt.


Grußwort von Vladimir Naumov, Moskau


Sehr geehrter Vorsitzender Herr Hubert Kniesburges!
Sehr geehrter Herr Werner Höner!
Sehr geehrter Herr Jochen Schwabedissen!
Sehr geehrte Damen und Herren!
Ich bedanke mich für die Möglichkeit und die Ehre, in der Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs und dem 70. Jahrestag der Errichtung der Gedenkstätte auf dem Massengrab Stukenbrock teilzunehmen, wo die Gebeine der sowjetischen Soldaten, Opfer des Stalags 326, liegen.
Meine Biographie ist mit dem Krieg verbunden. 1941 war ich auf dem besetzten Gebiet in der Gegend von Smolensk. 1943, während des Rückzuges der deutschen Truppen aus Smolensk, wurde ich im Alter von elf Jahren nach Deutschland entführt und arbeitete mit Kriegsgefangenen aus dem Stalag 326 in einer Textilfabrik Bleiche in Brackwede, wurde von US-Truppen am 2. April 1945 befreit. Am 2. Mai war ich bei der Eröffnungszeremonie des Denkmals und der Gedenkstätte an den Massengräber der sowjetischen Kriegsgefangenen in Stukenbrock mit den befreiten Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern anwesend.
Die am 2. April befreiten sowjetischen Kriegsgefangenen begingen eine große Tat: Sie errichteten das Monument und das Denkmal in einem Monat und verewigten damit ihre Freunde und Kameraden, die hier begraben wurden.
Ihr, eure Organisation, der Arbeitskreis "Blumen für Stukenbrock" habt eine weitere große Tat begonnen, indem Ihr das Denkmal für unsere Nachfahren geborgen und in eine Tribüne für Friedensfreunde umgewandelt habt. Die hohe Autorität dieser Plattform bestätigt sich durch die Teilnahme der wichtigsten deutschen Öffentlichkeit und Politiker, darunter der Präsident der Bundesrepublik Deutschland, Herr Joachim Gauck, an den jährlichen Veranstaltungen und Demonstrationen.
Leider sind die Kriegsveteranen, darunter auch die ehemaligen Kriegsgefangenen, eine fast vergangene Generation. Ich repräsentiere hier eine jüngere Kategorie, die ehemaligen jungen Gefangenen des Faschismus. In Russland leben noch etwa 150.000 Bürger, die in ihren jungen Jahren die faschistischen Gefängnisse, Konzentrations- und Arbeitslager überlebt haben. Uns, den Überlebenden der Tragödie des Krieges, ist die friedensstiftende Ausrichtung ihrer Bewegung besonders nah und wichtig. Wir haben unsere eigene Organisation, wir verlegen unsere eigene Zeitung "Schicksal" und werben für den Frieden in unserem Land.
Die Rede des Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland, Herrn Joachim Gauck, am 6. Mai dieses Jahres bei der Veranstaltung an den Gräbern von Stukenbrock machte auf uns alle einen großen Eindruck. Der Bundespräsident gab eine klare Beurteilung der Tragödie des Krieges, der Tragödie der Gefangenschaft, und hat Ihre pazifistischen Aktivitäten gelobt. Unter anderem erwähnte er, dass unter den toten Gefangenen Russen, Ukrainer, Kirgisen, Georgier, Usbeken, Turkmenen waren: Vertreter aller Völker der Sowjetunion. Massengräber in Deutschland, darunter die Gräber in Stukenbrock, sind ein Symbol unserer internationalen Einheit während des Krieges. Die Zeitung "Schicksal" veröffentlichte den vollständigen Text der Rede des Bundespräsidenten, und ich habe die große Freude, Exemplare der Zeitung an die Organisatoren dieser Veranstaltung zu überreichen.
Es ist für uns besonders wichtig, unsere lebendige Erinnerung, unseren Schmerz und Ablehnung von Krieg an die junge Generation zu Hause und in Deutschland zu vermitteln. Vor dem Tag des Sieges über Nazismus verbreitete unsere russische Vereinigung der ehemaligen minderjährigen Gefangenen des Faschismus den Aufruf an die deutsche Jugend, in dem sie ihre Position zu der aktuellen Situation in der Welt und die Beziehungen zwischen unseren Ländern formulierte.
Heute sind hier Vertreter der jungen Generation. Ich hoffe, dass sie das Gute vom Bösen trennen können, dass sie eine gerechte Beurteilung der Lage und der Ereignisse in der Welt geben können.
Zum Abschluss bedanke ich mich auch im Namen meiner Kameraden bei den Organisatoren und Aktivisten des Arbeitskreises "Blumen für Stukenbrock" für ihre langjährige fruchtbare Arbeit, mit der sie die Erinnerung an die Opfer des Krieges erhalten und Frieden unter den Völkern fördern. Anerkennung aussprechen möchte ich auch der heute abwesenden ehemaligen Präsidentin der Gesellschaft Deutschland-Russland in Nordrhein-Westfalen, Frau Walborg Schröder, die einen großen Beitrag zu den Begegnungen zwischen den jungen Generationen in Deutschland und Russland geleistet hat.
Ich wünsche dem Arbeitskreis "Blumen für Stukenbrock" und allen friedensstiftenden Organisationen in ganz Deutschland Optimismus und Erfolg in ihren Tätigkeiten zur Erhaltung des Friedens und der Freundschaft zwischen unseren Völkern und Ländern.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Aufruf zur Mahn- und Gedenkveranstaltung am 5. September 2015 in Stukenbrock

Sonnabend, 5. September

Sowjetischer Soldatenfriedhof Stukenbrock, Senner Straße
14.00 Uhr Friedhofsführungen
15.00 Uhr Kranzniederlegung
anschließend
Gedenkansprache:
Hans Coppi Vorsitzender der VVN BdA Berlin

Die Opfer bleiben unvergessen
„UND SORGET IHR, DIE IHR NOCH IM LEBEN STEHT , DASS FRIEDEN BLEIBT, FRIEDEN ZWISCHEN DEN MENSCHEN, FRIEDEN ZWISCHEN DEN VÖLKERN“
Diese Mahnung wurde in Stein gemeißelt auf dem sowjetischen Soldatenfriedhof in Stukenbrock.
Vor siebzig Jahren wurde Europa von den Soldaten der Sowjetunion und deren westlichen Verbündeten vom Faschismus befreit. Dreizehn Millionen Soldaten und 14 Millionen Zivilpersonen der Sowjetunion, Frauen, Kinder und Rentner, verloren in diesem Krieg ihr Leben. Dazu gehörten auch die 65.000 Kriegsgefangenen, die im Lager Stukenbrock zu Tode gequält wurden.
Der 8. Mai als Tag der Befreiung wäre für uns Deutsche Anlass gewesen, gründlich darüber nachzudenken, wie es möglich war, dass zwei Weltkriege von Deutschland ausgingen.

Blumen für Stukenbrock und das Gedenken an den 70. Jahrestag der Befreiung

Stellungnahme des Arbeitskreises zum Besuch des Bundespräsidenten in Stukenbrock– Vorbereitung des Antikriegstages 2015

Zum ersten Mal seit der Befreiung des Stalag 326 im Jahre 1945 besuchte am 6. Mai 2015 ein deutsches Staatsoberhaupt den Sowjetischen Soldatenfriedhof in Stukenbrock.

Dieser Besuch fand allseitig Beachtung und Respekt. Mit ihm wurde noch einmal einer weiten Öffentlichkeit das Leiden und Sterben der sowjetischen Kriegsgefangenen in der Verantwortung der deutschen Wehrmacht bewusst gemacht. Der Bundespräsident hat das mit bewegenden Worten geschildert. Bedauerlicherweise sprach der Bundespräsident in seiner Rede die Verantwortlichen für die Naziherrschaft in Industrie und Bankwesen nicht an. Er unterließ es, deren Schuld zu nennen.
Zu fragen ist dennoch, warum ein solcher Besuch erst jetzt erfolgte.

2. April 2015 - Erinnerung an den 70. Jahrestag der Befreiung

Der Arbeitskreis lädt ein

Am 2. April 2015, anläßlich des 70. Jahrestages der Befreiung des sowjetischen Kriegsgefangenenlagers Stalag 326 (VI/VK), führt der Arbeitskreis BLUMEN FÜR STUKENBROCK ein Erinnerungstreffen durch. Mit einer Kranzniederlegung um 16.30 Uhr an der Informationstafel im Eingangsbereich der Landespolizeischule „Erich Klausener“, Lippstädter Weg 26a, Stukenbrock-Senne, wird den Opfern wie den Überlebenden gedacht. Werner Höner, langjähriger Vorsitzender des Arbeitskreises BLUMEN FÜR STUKENBROCK spricht die Gedenkrede.

Angesichts der Zunahme rechter, neofaschistischer Kräfte und der drohenden Kriegsgefahr in Europa durch die gegenwärtigen Krise in der Ukraine, erinnert der Arbeitskreis an die Mahnung der Opfer des Stalag 326 (VI/VK): „Und sorget ihr, die ihr noch im Leben steht, dass Frieden bleibt, Frieden zwischen den Menschen und Frieden zwischen den Völkern“.

Mit diesem Anliegen lädt der Arbeitskreis zur Teilnahme an dem Erinnerungstreffen ein.

Antikriegstag 2014 - Mahn- und Gedenkveranstaltung am 6. September in Stukenbrock-Senne

Lühr Henken, Berlin, Sprecher des Bundesausschusses Friedensratschlag
Rede „Blumen für Stukenbrock“, 6.9.2014

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen
Vielen Dank für die Einladung. Ich wurde gebeten, etwas zu den aktuellen Konflikten und Kriegen und der deutschen Beteiligung daran zu sagen. Ich muss sagen, dabei bin ich an die Grenze zur Überforderung gekommen, denn die Dramatik der Kriege hat sich in den letzten Monaten, was sowohl die Quantität also auch die negative Qualität anbetrifft, in unvergleichlichem Maße ausgedehnt. Ich liste einmal nur die vernehmbarsten Kriege in alphabetischer Reihenfolge auf: Afghanistan, Gaza, Irak, Jemen, Libyen, Mali, Nigeria, Pakistan, Somalia, Sudan, Südsudan, Syrien, Ukraine, Zentralafrika.
Da musste ich mich beschränken. Ich wende mich zunächst den Kriegen zu, die von USA und NATO im so genannten Krieg gegen den Terror zu den größten Zerstörungen führten. Studien im Auftrag der IPPNW zeigen, dass im Irakkrieg seit 2003 mindestens eine Million Menschen direkt getötet wurden, für Afghanistan liegt die Schätzung für alle Kriegstoten bei 180.000 bis 240.000 und für Pakistan, dessen Bürgerkrieg und der Drohnenkrieg der USA direkte Folgen des Angriffs auf Afghanistan sind, bei 80.000. Der NATO-Krieg in Libyen forderte etwa 50.000 Tote. Diese westlichen Kriege haben die Lage in den betroffenen Ländern massiv verschlechtert. Sie zerstörten die Infrastruktur, die Lebensgrundlagen und zerrütteten die Gesellschaften. Nach dem Rückzug nahm die Gewalt zu. Trotzdem setzt die NATO, inklusive die Bundesregierungen seit 20 Jahren darauf, ihre Armeen fit für den weltweiten Militärinterventionismus zu machen. Ich finde diesen Weg grundfalsch. Ich lehne Auslandseinsätze der Bundeswehr strikt ab.